Güterschifffahrt

Güterschifffahrt

Binnenschiffe sind sehr flexibel für den Transport verschiedenster Frachten einsetzbar. Es gibt Motorgüterschiffe, die mit einer Tragfähigkeit von 3.000 t bis zu 150 Lkw ersetzen, Tankmotorschiffe, Schubleichter für trockene Ladung, Tankschubleichter, Schleppkähne für trockene Ladung und Tankschleppkähne. Hinzu kommen Bunkerboote und Schubboote. All diese verschiedenen Wasserfahrzeugtypen zusammengerechnet, besteht die deutsche im Güterverkehr nutzbare Binnenflotte derzeit aus rund 2.100 Schiffen. In den Laderäumen finden die unterschiedlichsten Güter Platz.

Aktuelle Kennzahlen zur Binnenschifffahrt – Flottengröße, Gütermengen und Transportleistungen – können dem statistischen Faltblatt „Daten & Fakten“ entnommen werden, das der BDB jedes Jahr im Herbst neu auflegt.

Das Geschäft der Binnenschifffahrt wird von Massengütern dominiert. Diese machen einen Anteil von rund 70 % an der Gesamtmenge aus. Dazu zählen etwa Baustoffe, Erze, Kohle und Stahl. Die rohstoffintensive Stahlindustrie am Niederrhein setzt auf das Binnenschiff und wickelt 40 % ihres Transportaufkommens über das Wasser ab.

Ein weiterer wichtiger Geschäftszweig der Binnenschifffahrt ist der Transport von Gefahrgut. Darunter fallen u.a. brennbare flüssige Güter wie Benzin, Heizöl, chemische Grundstoffe (z.B. Methanol), Endprodukte (z.B. Säuren) und verflüssigte Gase (z.B. Ammoniak). Daneben gibt es trockene gefährliche Güter in loser Schüttung, die entzündbar oder selbstentzündlich sind oder bei Kontakt mit Wasser Gas entwickeln. Um Gefahrgut sicher transportieren zu können, überwacht das qualifizierte Personal die Einhaltung der strengen Gefahrgutnormen und Sicherheitsstandards. Einen weiteren Sicherheitsfortschritt brachte die schrittweise Umstellung von Ein- auf Doppelhüllenschiffe, die bis Ende 2018 abgeschlossen sein muss. Schon heute verfügen 75 % der Schiffe, die Gefahrgut befördern, über Doppelhüllenbauweise.

Die Containerisierung der Waren schreitet weltweit weiter voran. Zur Vermeidung von Kapazitätsengpässen müssen die Container an den Seehäfen so schnell wie möglich umgeschlagen und ins Hinterland transportiert werden. Innerhalb dieser Logistikkette ist die Binnenschifffahrt ein zuverlässiger Partner, der sich immer größerer Beliebtheit erfreut. So werden heute 2,5 Mal so viele Container per Binnenschiff befördert wie noch im Jahr 1998. Ein Großteil des Container- und Hinterlandverkehrs auf dem Wasser wird immer noch im Zu- und Ablauf der ZARA-Häfen (Zeebrügge, Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam) abgewickelt. Dort hat die Binnenschifffahrt einen hohen Anteil am Modal Split.

Mit ihren Abmessungen sind Binnenschiffe für besonders schwere oder sperrige Ladung geradezu prädestiniert. Die Schiffe können ohne Probleme Punktbelastungen von über 40 t pro Quadratmeter oder Stückgewichte bis zu 1.000 t bewältigen. Die Vorteile von Schwergut auf dem Wasser liegen auf der Hand: die Infrastruktur wird nicht beschädigt und vor Transportbeginn müssen keine Hindernisse (wie z.B. Laternen oder Bäume im Lkw-Verkehr) aufwendig aus dem Weg geräumt werden. Einen problemloseren, schonenderen und sichereren Transport von Schwergut gibt es also nicht. Das hat auch die verladende Wirtschaft erkannt und setzt beispielsweise bei der Beförderung von Turbinen oder Rotorblättern für Windkraftanlagen zunehmend auf das Wasserstraßensystem. Seit Jahren steigende Zahlen von Schwerguttransporten auf Binnenschiffen belegen diesen Trend.

RoRo-Schiffe (von englisch Roll on Roll off) sind Schiffe, die bewegliche Güter im RoRo-Verfahren transportieren. Dies bedeutet, dass die Ladung auf das Schiff gefahren wird. Dabei handelt es sich meist um eine Kombination aus Fahrzeugen wie Pkw oder Lkw oder auch Zügen, die selbst an Bord der Schiffe fahren können, aber auch um standardisierte Ladeeinheiten und Wechselbrücken, die durch spezielle Zugmaschinen an Bord gestaut werden. RoRo-Schiffe haben hierzu befahrbare Decks, auf die die Ladung gerollt werden kann. Diese sind oft in der Höhe variabel, wodurch der Laderaum flexibler genutzt werden kann. Zum Be- und Entladen besitzen diese Schiffe Bug-, Seiten- oder Heckluken, durch die die Fahrzeuge über Rampen an Bord fahren können. Viele RoRo-Schiffe, die auch als „schwimmende Parkhäuser bezeichnet werden, verkehren als regelmäßiger Neuwagen-Carrier für die Automobilindustrie. Vorteile des RoRo-Verfahrens liegen in kurzen Umschlagszeiten, schonendem Ladungsumschlag, einfacher Hafeninfrastruktur und Flexibilität in der Ladungszusammensetzung.