Was­ser­stras­sen

Das Sys­tem Wasserstrasse

Da­ten und Fakten:

Das Netz der Bun­des­was­ser­stra­ßen hat eine Länge von rund 7.300 km Bin­nen­was­ser­stra­ßen und schließt auch ca. 17.800 Qua­drat­ki­lo­me­ter See­was­ser­stra­ßen ein. Hier­von ent­fal­len ca. 6.550 km auf Bin­nen­schiff­fahrts­stra­ßen und ca. 690 km auf See­schiff­fahrt­stra­ßen (ohne Au­ßen­be­rei­che der see­wär­ti­gen Zu­fahr­ten). Etwa 34 % der Netz­länge sind frei flie­ßende bzw. ge­re­gelte Fluss­stre­cken, 42 % stau­ge­re­gelte Fluss­stre­cken und 24 % künst­li­che Was­ser­stra­ßen (Ka­näle). Zu den wich­tigs­ten Bau­wer­ken zäh­len rund 350 Schleu­sen­an­la­gen, rund 300 Wehr­an­la­gen, vier Schiffs­he­be­werke, acht Sperr­werke und rund 1.000 Brü­cken. Das Netz der Bun­des­was­ser­stra­ßen stellte im Jahr 2012 ein An­la­ge­ver­mö­gen von rund 40 Mrd. Euro dar.

Nach dem Sys­tem der eu­ro­päi­schen Klas­si­fi­zie­rung für Bin­nen­was­ser­stra­ßen be­sit­zen 70 % der deut­schen Was­ser­stra­ßen in­ter­na­tio­nale Be­deu­tung, 17 % sind nur von na­tio­na­ler Be­deu­tung. 13 % sind nicht klas­si­fi­ziert bzw. nicht dem all­ge­mei­nen Ver­kehr dienend.

Der Rhein stellt die mit Ab­stand wich­tigste und ver­kehrs­reichste Bin­nen­was­ser­straße in Eu­ropa dar. Rund 80 % des Gü­ter­ver­kehrs in der Bin­nen­schiff­fahrt fin­det auf die­ser in­ter­na­tio­na­len Ma­gis­trale statt, die die west­li­chen See­hä­fen mit dem Hin­ter­land ver­bin­det. Im Hin­ter­land­ver­kehr des See­ha­fens Rot­ter­dam hat das Bin­nen­schiff bei­spiels­weise ei­nen Gü­ter­ver­kehrs­an­teil (mo­dal split) von über 40 %, in Ant­wer­pen sind es über 30 %. Der Nie­der­rhein wird jähr­lich von knapp 200.000 Schif­fen be­fah­ren. Das sind im Durch­schnitt rund 550 Schiffe pro Tag.

Zu den Gü­ter­men­gen und zur wirt­schaft­li­chen Be­deu­tung der ein­zel­nen Flüsse und Ka­näle in Deutsch­land hält die Wasser- und Schiff­fahrts­ver­wal­tung des Bun­des auf ih­rer Web­site um­fang­rei­che wei­ter­füh­rende In­for­ma­tio­nen be­reit: www.wsv.de.

Die Bin­nen­schiff­fahrt trans­por­tiert rund 230 Mio. Ton­nen Gü­ter pro Jahr auf Deutsch­lands Flüs­sen und Ka­nä­len, siehe ne­ben­ste­hende Gra­fik. Die Trans­port­leis­tung liegt bei rund 60 Mrd. Ton­nen­ki­lo­me­tern. Die Gü­ter­schiff­fahrt ist da­mit ein un­ver­zicht­ba­rer Part­ner für die ver­la­dende In­dus­trie und den Wirt­schafts­stand­ort Deutschland.

Die For­de­run­gen des BDB:

Die Bin­nen­schiff­fahrt bie­tet noch viel Po­ten­zial für die Be­wäl­ti­gung des Gü­ter­ver­kehrs der Zu­kunft. Der BDB setzt sich des­halb ge­mein­sam mit den wei­te­ren am Sys­tem Was­ser­straße Be­tei­lig­ten (Hä­fen, Spe­di­teure, Wirt­schaft) für ei­nen be­darfs­ge­rech­ten Er­halt und Aus­bau der Flüsse und Ka­näle ein. Da­bei sind öko­no­mi­sche und öko­lo­gi­sche An­sprü­che mög­lichst in Ein­klang zu bringen.

Plan­bar­keit und Ver­läss­lich­keit des Gü­ter­ver­kehrs sind die wich­tigs­ten Vor­aus­set­zun­gen für die ver­la­dende Wirt­schaft und In­dus­trie. Und auch der Tou­ris­mus auf dem Was­ser („Weiße Flotte“) ist auf eine zu­ver­läs­sige Was­ser­stra­ßen­in­fra­struk­tur an­ge­wie­sen. Das be­dingt ge­wisse Min­dest­an­for­de­run­gen an die In­fra­struk­tur. Das Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­rium folgt in sei­nem „Na­tio­na­len Ha­fen­kon­zept“ (2009) die­ser Auf­fas­sung und möchte ein mög­lichst ein­heit­li­ches Pro­fil für die Was­ser­stra­ßen her­stel­len. Leit­bil­der sind da­bei das Groß­mo­tor­gü­ter­schiff und die Er­mög­li­chung des zwei- bzw. drei­la­gi­gen Con­tai­ner­ver­kehrs durch An­he­bung der Brü­cken­durch­fahrts­hö­hen und Ver­län­ge­rung der Schleu­sen­kam­mern wie z.B. im west­deut­schen Kanalnetz.

Das Netz der Bun­des­was­ser­stra­ßen wird durch Aus­bau­maß­nah­men stän­dig ver­bes­sert, ra­tio­na­li­siert und den ver­än­der­ten An­for­de­run­gen an­ge­passt. Lei­der wurde dem Zu­stand der Was­ser­stra­ßen in der Ver­gan­gen­heit von der Po­li­tik trotz­dem zu we­nig Auf­merk­sam­keit ge­schenkt. Aus­bau­maß­nah­men wie etwa an der Mo­sel wer­den über Jahr­zehnte ge­streckt. Und auch der Er­halt hat ge­lit­ten: 30 % der Schleu­sen ha­ben das tech­ni­sche Le­bens­al­ter von 100 Jah­ren be­reits er­reicht oder über­schrit­ten. Ein Drit­tel al­ler Schleu­sen be­fin­det sich laut Aus­kunft der WSV mitt­ler­weile in ei­nem nicht mehr aus­rei­chen­dem Zu­stand. Das führt zu ei­ner „Her­ku­les­auf­gabe“, näm­lich ei­nem stark zu­neh­men­den Nach­hol­be­darf bei ex­trem knap­pen Fi­nanz­mit­teln. Der BDB meint: Hier muss en­er­gisch ge­gen­ge­steu­ert werden!

Ne­ben den er­for­der­li­chen In­ves­ti­tio­nen in die Was­ser­stra­ßen­in­fra­struk­tur muss aus­rei­chend qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal zur Ver­fü­gung ste­hen, um die zur Ver­fü­gung ste­hen­den Gel­der dann auch so schnell wie mög­lich zu verbauen.

Rich­tig ist, dass bei den In­ves­ti­tio­nen in die Was­ser­stra­ßen Schwer­punkte ge­bil­det wer­den müs­sen. Eine Ori­en­tie­rung al­lein am heute ge­ge­be­nen Ver­kehrs­auf­kom­men be­ur­teilt der BDB je­doch kri­tisch: Es darf nicht pas­sie­ren, dass auf­grund rück­läu­fi­ger In­ves­ti­tio­nen ganze Wirt­schafts­räume in Deutsch­land zu­künf­tig von der Ver­sor­gung per Bin­nen­schiff ab­ge­schnit­ten werden.

Flüsse und Ka­näle – Mehr als nur ein Transportweg

Flüsse und Ka­näle sind – an­ders als die Glei­strasse oder die Straße – mehr als reine Trans­port­wege. Sie ha­ben ne­ben der ver­kehrs­wirt­schaft­li­chen Nut­zung wich­tige Funk­tio­nen zur Was­ser­ver­sor­gung, Er­hal­tung der Vor­flut für den Ab­fluss der Nie­der­schläge und für Ent­wäs­se­rungs­zwe­cke, Ab­wen­dung von Hochwasser- und Eis­ge­fähr­dung so­wie zur preis­wer­ten und sau­be­ren En­er­gie­ge­win­nung in stau­ge­re­gel­ten Ab­schnit­ten. Nicht zu­letzt die­nen sie Frei­zeitz­we­cken. Die Flüsse sind die na­tur­ge­ge­be­nen Haupt­adern für den Was­ser­ab­fluss. Aus Flüs­sen und Schiff­fahrts­ka­nä­len wer­den stän­dig große Was­ser­men­gen, vor al­lem für in­dus­tri­elle Zwe­cke ent­nom­men. Aber auch die Land­wirt­schaft und die Trink­was­ser­ge­win­nung stüt­zen sich in gro­ßem Um­fang auf die­ses Wasserangebot.

Zur um­welt­freund­lichs­ten Form der En­er­gie­ge­win­nung zählt die Was­ser­kraft­nut­zung. In Deutsch­land sind Laufwasser-Kraftwerke viel­fach im Zu­sam­men­hang mit ei­ner Stau­re­ge­lung für den Schiffs­ver­kehr er­rich­tet wor­den. Zu den stau­ge­re­gel­ten Flüs­sen mit Was­ser­kraft­nut­zung zäh­len We­ser, Ober­rhein, Ne­ckar, Main, Mo­sel, Saar und Do­nau mit ei­ner in­stal­lier­ten Leis­tung von zur­zeit ca. 750 Me­ga­watt. Da­mit wird laut Aus­kunft der WSV mit Was­ser­kraft etwa ge­nau so viel En­er­gie pro­du­ziert, wie alle Trans­porte auf dem Was­ser verbrauchen.

Die­ses „Nut­zungs­bün­del“ der Was­ser­stra­ßen führt dazu, dass eine reine Nut­zer­fi­nan­zie­rung durch die Bin­nen­schiff­fahrt nicht sach­ge­recht wäre. Die ge­werb­li­che Schiff­fahrt zahlt für die Nut­zung der Flüsse und Ka­näle Ab­ga­ben, so­weit dies nicht durch in­ter­na­tio­nale Ver­träge aus­ge­schlos­sen ist. Eine kon­se­quente Aus­wei­tung auf wei­tere Nut­zer­grup­pen, die sich bis­her gar nicht oder nur im ge­rin­gen Um­fang an der Fi­nan­zie­rung des not­wen­di­gen Er­halts und Aus­baus be­tei­li­gen, er­scheint sachgerecht.

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