Pressemitteilung: BDB be­zieht Stel­lung auf dem Par­la­men­ta­ri­schen Abend zur Bin­nen­schiff­fahrt - Hal­bie­rung der Tras­sen­preise geht zu Las­ten der Binnenschifffahrt

BDB be­zieht Stel­lung auf dem Par­la­men­ta­ri­schen Abend zur Bin­nen­schiff­fahrt - Hal­bie­rung der Tras­sen­preise geht zu Las­ten der Binnenschifffahrt

30. März 2017

Der in Tei­len der Ver­kehrs­po­li­tik mit Wohl­wol­len auf­ge­nom­mene Vor­schlag, dem­nächst die Tras­sen­preise der Bahn zu hal­bie­ren, wird zu Las­ten der Gü­ter­bin­nen­schiff­fahrt ge­hen. Das hier­mit ei­gent­lich ver­folgte Ziel, Gü­ter von der Straße auf die Schiene zu ver­la­gern, wird sich nicht er­rei­chen las­sen, son­dern le­dig­lich die Wett­be­werbs­si­tua­tion zwi­schen Schiene und Schiff an­hei­zen. Auf diese Zu­sam­men­hänge hat Mar­tin Staats, Vor­stand der MSG eG und Prä­si­dent des Bun­des­ver­ban­des der Deut­schen Bin­nen­schiff­fahrt e.V. (BDB), ges­tern in Ber­lin hingewiesen.

Es sei löb­lich, dass die Po­li­tik die Straße vom Gü­ter­ver­kehr ent­las­ten wolle. Eine bloße Kos­ten­re­duk­tion durch Ab­sen­kung der Tras­sen­preise sei hier­für aber un­ge­eig­net: „Schiff und Schiene trans­por­tie­ren in gro­ßen Men­gen iden­ti­sche Mas­sen­gü­ter wie etwa Kohle, Erze, Steine, Er­den, Con­tai­ner so­wie land­wirt­schaft­li­che oder che­mi­sche Er­zeug­nisse. Hier fin­det der Wett­be­werb der Ver­kehrs­trä­ger statt, und der wird sich deut­lich ver­schär­fen, wenn die Kos­ten der Schiene um die Hälfte re­du­ziert wer­den. Am Auf­kom­men des Stra­ßen­gü­ter­ver­kehrs än­dert sich da­durch nichts, zu­mal sich die Frage stellt, ob die Schiene über­haupt die Ka­pa­zi­tät be­sitzt, die auf der Straße trans­por­tier­ten Gü­ter in grö­ße­rem Um­fang zu über­neh­men“, er­klärte Staats im Rah­men ei­ner Ver­an­stal­tung der Par­la­men­ta­ri­schen Gruppe Bin­nen­schiff­fahrt (PGBi) in Ber­lin. Wenn diese enorme Kos­ten­ab­sen­kung bei der Schiene bei der an­ste­hen­den Re­form der Schiff­fahrts­ab­ga­ben nicht be­rück­sich­tigt werde, sei eine ekla­tante Wett­be­werbs­ver­zer­rung zwi­schen Schiff und Schiene vorprogrammiert.

Ein zu­künf­ti­ger The­men­schwer­punkt liegt in den Au­gen des Ver­bands­prä­si­den­ten im Be­reich der In­no­va­tio­nen: „Die Bin­nen­schiff­fahrt hat in der NRMM-Verordnung die mit Ab­stand strengs­ten Ab­gas­grenz­werte in Eu­ropa ver­ord­net be­kom­men. Kein Her­stel­ler hat der­zeit für uns Mo­to­ren im An­ge­bot, die diese Grenz­werte ein­hal­ten könn­ten. Es ist be­zeich­nend, dass die Bahn von der EU nicht nur die Mög­lich­keit ei­ner Be­frei­ung von den neuen Ab­gas­grenz­wer­ten ein­ge­räumt be­kom­men hat, son­dern auch zu­künf­tig alte Aus­tausch­mo­to­ren mit ho­hen Emis­si­ons­wer­ten ein­bauen darf. Die Bin­nen­schiff­fahrt wird u.a. durch al­ter­na­tive An­triebe und Treib­stoffe, wie etwa Gas-to-liquid (GTL), oder Kraftstoff-Wasser-Emulsionstechniken für nied­ri­gere Emis­sio­nen sor­gen und so ihre Um­welt­ver­träg­lich­keit stei­gern“, so Mar­tin Staats.

Auch wenn in die­ser Le­gis­la­tur­pe­riode be­reits viel im Be­reich der Was­ser­stra­ßen­in­fra­struk­tur er­reicht wurde: Hier bleibt die Po­li­tik nach wie vor ge­for­dert. Flüsse und Ka­näle müs­sen in Tei­len aus­ge­baut und be­ste­hende Eng­pässe be­sei­tigt wer­den. „Die Ver­tie­fung des Mit­tel­rheins ist ein für die Wirt­schaft und In­dus­trie wich­ti­ges und volks­wirt­schaft­lich hoch ren­ta­bles Pro­jekt des ak­tu­el­len Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plans. Es darf aber nicht sein, dass die Um­set­zung die­ser Maß­nahme nun Jahr­zehnte dau­ert – sei es aus Man­gel an Per­so­nal in der Wasserstraßen- und Schiff­fahrts­ver­wal­tung, sei es auf­grund ei­nes ab­surd ho­hen Pla­nungs­auf­wan­des oder ei­nes ex­ten­si­ven Ver­bands­kla­ge­rechts“, mahnte BDB-Präsident Mar­tin Staats. Deut­li­che Worte fand Staats zu der Ver­tei­lung des zu­künf­ti­gen WSV-Personals und der Pla­nungs­gel­der, die kürz­lich im Haus­halts­aus­schuss des Bun­des­ta­ges be­schlos­sen wurde: „Der Elbe-Lübeck-Kanal hat mit ei­ner Mil­lion Gü­ter­ton­nen bei Wei­tem nicht die Be­deu­tung des Rheins, der Main-Donau-Wasserstraße, des west­deut­schen Ka­nal­net­zes, der Mo­sel und des Ne­ckars. Die ex­klu­siv für den Aus­bau die­ses Ka­nals be­wil­lig­ten In­ge­nieure hätte die deut­sche Wirt­schaft an an­de­rer Stelle drin­gen­der ge­braucht, wo sie volks- und ver­kehrs­wirt­schaft­lich nut­zen­stif­ten­der hät­ten ein­ge­setzt wer­den können!“

Zum Ab­schluss brach der BDB-Präsident noch eine Lanze für die Mit­ar­bei­ter in der Wasserstraßen- und Schiff­fahrts­ver­wal­tung: „Man sollte auf­hö­ren, dau­ernd auf die WSV ein­zu­dre­schen. Dort ar­bei­ten fä­hige Leute, und wir be­dau­ern, dass uns die An­sprech­part­ner in der Flä­che teil­weise ab­han­den­ge­kom­men sind. Die Ar­beit in der Ver­wal­tung dürfte durch die bis­he­rige Re­form nicht ein­fa­cher ge­wor­den sein“.

 

Bild­un­ter­schrift:

Auf dem Par­la­men­ta­ri­schen Abend der Par­la­men­ta­ri­schen Gruppe Bin­nen­schiff­fahrt in Ber­lin be­zieht BDB-Präsident Mar­tin Staats Stel­lung zur Ver­kehrs­po­li­tik des Bundes.

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Über den BDB e.V.:

Der 1974 ge­grün­dete Bun­des­ver­band der Deut­schen Bin­nen­schiff­fahrt e.V. (BDB) ver­tritt die ge­mein­sa­men ge­werb­li­chen In­ter­es­sen der Un­ter­neh­mer in der Güter- so­wie der Fahr­gast­schiff­fahrt ge­gen­über Po­li­tik, Ver­wal­tung und sons­ti­gen In­sti­tu­tio­nen. Mit­glie­der des BDB sind des­halb Par­ti­ku­liere, Ree­de­reien und Ge­nos­sen­schaf­ten. Auch För­der­mit­glie­der un­ter­stüt­zen die Ar­beit des BDB. Der Ver­band mit Sitz in Duis­burg und Re­prä­sen­tanz in Ber­lin be­zieht Stel­lung zu ver­kehrs­po­li­ti­schen Fra­gen und bringt sich ak­tiv in die Ge­stal­tung der wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen ein. Seit der Fu­sion mit dem Ar­beit­ge­ber­ver­band (AdB) im Jahr 2013 ver­tritt der BDB auch die Be­lange der Ver­bands­mit­glie­der in arbeits-, tarif- und so­zi­al­recht­li­chen so­wie personal-, sozial- und bil­dungs­po­li­ti­schen An­ge­le­gen­hei­ten und ist Ta­rif­ver­trags­part­ner der Ge­werk­schaft Verdi. Der BDB be­treibt das in Duis­burg vor An­ker lie­gende Schul­schiff „Rhein“ – eine eu­ro­pa­weit ein­zig­ar­tige Aus-, Fort- und Wei­ter­bil­dungs­ein­rich­tung für das Binnenschifffahrtsgewerbe.